MEDxD – Medtech meets Digital

Unser zweites großes Highlight im Jahr 2022 war die 2-tägige MEDxD Konferenz am 14. & 15. September, organisiert von avasis in Kooperation mit znt Zentren für Neue Technologien GmbH und Siemens Digital Industries Software. Das neue Dialog-Event rund um die Digitalisierung von Product Lifecycle Prozessen in der Medizintechnik & IVD Branche war ein voller Erfolg. Die Kombination aus inspirierenden Vorträgen, wertvollen Diskussionen, lebhaften Workshops, intensivem Wissensaustausch und eine energiegeladene Speed-Dating-Session hat nicht nur den Teilnehmern viel Spaß gemacht, sondern auch den Referenten und uns als Organisationsteam. Aber hört selbst, was die Teilnehmer zu berichten haben:

Der erste Tag…

…startete mit dem Aufruf von Sarah Panten (avasis), gemeinsam eine Heldenreise zu beginnen und alt eingeschliffene Prozesse mit einer Word/Excel Dokumentation in eine digitale Zukunft zu führen.

Das ein „weiter so“ und „so haben wir das aber schon immer gemacht“ inzwischen nicht mehr möglich ist, wurde im ersten Vortrag von Christina Ziegenberg (BVMed) deutlich. Die Herausforderungen durch die MDR sind so groß, dass dringender Handlungsbedarf bei allen Stakeholdern der Branche besteht. Die Digitalisierung von Prozessen und technischer Dokumentation ist ein wichtiger Hebel, um das Problem der begrenzten Ressourcen bei Herstellern und Benannten anzugehen.

Karim Djamshidi (Karl Storz) plädierte dafür, trotz Schwierigkeiten vor der Europäischen Haustür auch andere Märkte und deren regulatorischen Anforderungen bei der Digitalisierung im Blick zu behalten. Eine ganzheitliche Digitalisierungsstrategie ist unabdingbar und besonders wichtig für Unternehmen mit einem großen und komplexen Produktportfolio.

Einen Blick über den Tellerrand gab Christian Mittler-Goetz (Boston Consulting Group): Die Medizintechnik hinkt in Sachen Digitalisierung anderen Branchen deutlich hinterher. Er betonte die wichtigsten Voraussetzungen für erfolgreiche Digitalisierungsprojekte: Eine unternehmensweite IT-Strategie, Commitment für Investitionen in digitale Plattformen, ein agiler Implementierungsansatz und am allerwichtigsten: Der Mensch muss im Fokus stehen, d.h. Change Management darf bei Digitalisierungsprojekten nicht vergessen werden.

Besonders motivierend für kleinere Unternehmen war der Vortrag von Philipp Bell (iThera Medical), der aus 10 Jahren Erfahrung bei der Digitalisierung von Prozessen berichtete. Er machte deutlich, dass nicht nur Großkonzerne Digitalisierungsprojekte umsetzen, sondern auch kleinere Unternehmen eine digitale End-to-End-Lösung anstreben und Prozesse über die Zeit digitalisieren können.

Den Kontrast zu einem kleinen Unternehmen bot Simon Riniker (Novartis): Er berichtete von Herausforderungen durch die Komplexität von Informationen und den Umgang mit Altdaten. Sein Fazit: Datenqualität ist essenziell für digitale, effiziente Prozesse und der Zugang zu realistischen Daten, welche die Realität abbilden, eine Grundvoraussetzung. Er plädierte dafür, dass die Generierung von neuen, qualitativ minderwertigen Daten zügig gestoppt wird und zusätzlich hinterfragt wird, ob eine Migration von Altdaten tatsächlich sinnvoll ist.

Im Hinblick auf eine End-to-End Digitalisierung von Prozessen zeigten Sébastien P. A. Martin und Peter Mathoy (Helbling Business Advisors) die Möglichkeiten einer papierlosen Produktion auf.

In der folgenden Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass das Potenzial einer integrierten digitalen Schnittstelle zwischen Produktentwicklung und Produktion in der Medizintechnik noch nicht richtig genutzt wird.

Ein Lichtblick in der Welt des regulatorischen Wahnsinns zeigte Sebastian Kriegsmann (DIN e.V.) auf: Digitale SMART-Standards sind auf dem Weg und werden eine effiziente Integration von regulatorischen Anforderungen in die Produktentwicklung ermöglichen. Ab 2024 wird der Normungsprozess umgestellt mit dem Ziel, dass alle Normen ab 2030 in einem vollständig digitalen Format bereitgestellt werden können.

Wie groß der Nutzen einer digitalen Technischen Dokumentation auch für die Benannten Stelle wäre, machte der Vortrag von Andreas Purde (TÜV SÜD) deutlich: ca. 80% der Zeit beim Review wird für die Suche nach Informationen benötigt. Eine digitale Dokumentation könnte wahrscheinlich eine doppelt so schnelle Überprüfung von Technischen Dokumentationen ermöglichen – eine unglaubliche Effizienzsteigerung! Er rief dazu auf, entsprechende Digitalisierungsinitiativen in der Branche zu unterstützen.

Christoph Bosshard (Oertli Instrumente) erinnerte an den Purpose unserer Branche, Patienten zu helfen. Er zeigte auf, wie wichtig eine unternehmensweite Digitalisierungsstrategie im Hinblick auf den Purpose des Unternehmens ist. Digitale Prozesse sind ein wichtiger Baustein für höhere Effizient und letztendlich eine bessere Patientenversorgung. Sein Fazit als Geschäftsführer: „Go digital or die“ – Digitalisierung ist ein Muss und keine Option, wenn man als Unternehmen langfristig am Markt bestehen will.

Als Abschluss des ersten Tages stellten die beiden Moderatoren Markus Pöttker (Smith + Nephew) und Sarah Panten (avasis) den Medical Device Knowledge Unit (MDKU) e.V. vor. Aus der 2019 von avasis gestarteten Initiative ist inzwischen ein gemeinnütziger Verein entstanden, welcher die Mission hat, ein einheitliches Datenmodell für Informationen in der Technischen Dokumentation zu entwickeln. Durch eine einheitliche regulatorische „Sprache“ werden Diskussionen um die Interpretation und Deutungshoheit von Begriffen reduziert. Das Datenmodell ist Grundlage für eine effizient Digitalisierung von Prozessen und der dazugehörigen Dokumentation.

Der zweite Tag…

… wurde eröffnet von Ralf Thür (avasis), gefolgt von zwei Keynotes von Klaus Löckel und James Thompson (Siemens Digital Industry Software). Gemeinsam gaben Sie einen Überblick über heute bereits verfügbare Technologien und zeigten Cases Studies für erfolgreich umgesetzte Projekte. James Thompson gab zusätzlich einen Einblick in den U.S. amerikanischen Medtech Markt und berichtete, dass sich die FDA bereits intensiv mit dem Thema Digitalisierung beschäftigt.

Anschließend konnten die Teilnehmer zwischen diversen Workshops und einer Digitalisierungsreise auswählen, um einzelne Themen zu vertiefen. Dazu gehörten: Change Management, Produktentwicklung & Schnittstellenprozesse, Möglichkeiten von PLM Software, digitale Fertigungssteuerung, und eines der aktuellen „Hot Topics“: Post-market Surveillance und die Integration von Schnittstellenprozessen.

Am Ende der zwei Tage war eines klar:

Es ist Zeit zu handeln! Lasst uns die Digitalisierung von Prozessen und Dokumentation vorantreiben - gemeinsam in unserer Branche! 

Die aktuellen regulatorischen Herausforderungen bieten eine Chance, alteingeschliffene Prozesse zu hinterfragen und durch den Einsatz von digitalen Lösungen eine mit Word und Excel unmögliche Effizienz zu erreichen. Damit könnte die Grundlage geschaffen werden, dass in der Medtech Branche wieder mehr Kapazitäten für die Entwicklung und Zulassung von innovativen Produkten zur Verfügung stehen – was letztendlich zu einer verbesserten Versorgung von Patienten führen wird. 

SAVE THE DATE: Die nächste MEDxD wird am 26. & 27.09.2023 in Berlin stattfinden.

Wir freuen uns auf das nächste tolle Event mit Euch! Mehr Information unter: medtechx.digital


Euer MEDxD Organisationsteam

Avasis_MEDxD-2022_396